Stylistin (+) – auf der Theaterbühne.
Den Molière im Koffer, ein paar Bilder im Kopf, ein paar Tüllstücke und kecke Overknees aus einem Second Hand schon an Bord. Mit dieser Rohfassung reiste ich nach Elba und liess das Beziehungsdrama des Menschenfeinds Alceste und seiner Célimène zwischen Pinien und Meer in meine Stil-Seele einziehen.
Mein Auftrag, als Stylistin den Molière in die Moderne hineinzukostümieren und das Parkett dazu, die Zürcher Partygesellschaft im Theater STOK zu spiegeln, kam von Christian Seiler, den ich als Kunden für seinen persönlichen Stil schon einige Zeit betreue. Nun durfte ich auch in seine Arbeit als Regisseur Einblick erhalten.
Was für eine Chance!
Vielen Dank nochmals, Christian, für diese einmalige Gelegeneheit und dein Vertrauen!
Grosse Freude und gleichwohl Respekt begleiteten mich auf die Theaterbühne. Schauspieler:innen zu «verkleiden», fühlte sich etwas an wie das Gegenteil von dem, was ich Tag für Tag als Stylisin tue. Definitiv ein neues Kapitel im Buch der Stilberatung.
Mit kleinem Budget die grosse Wirkung erzeugen hiess Effizienz im Finden der Kostüme und Anproben, Spieler persönlich, stilgetreu und ihren Rollen entsprechend einkleiden und den Auftrag an der Stilberatung vorbeibringen. Das waren die Herausforderungen in diesem Halbjahr.
Die Theaterproben fühlten sich wie ein Tauchgang in eine eigene kleine Welt – der Alltag ganz weit aussen vor. Faszinierend, wie die einzelnen Spieler:innen während der knapp bemessenen Probenzeit in ihre Rollen hineinwuchsen, welche Fülle an Gestik und Stimme sie sich auf der Bühne aneigneten. Beeindruckend auch das Talent des Regisseurs, seine Figuren in minuziöser Arbeit und mit einer unfassbaren Geduld und Hingabe auf genau den oder jenen Ausdruck hin zu formen und zu entwickeln.
Der Zugang zum Fundus des Schauspielhauses Zürich war ein Stück Paradies auf Erden für
mich. Rollen nur mit historischen Kostümen auszustatten würde mich weniger reizen. Reizvoll war die Übertragung der Rollen ins Heute, das Personalisieren der Kostüme und die Herstellung eines sichtbaren Bezugs zur Barockzeit.
Ein Kostüm allein wirkt schon stark; wie wesentlich es die Interpretion einer Rolle unterstützt und die Performance und das Wohlgefühl der Spielenden beeinflussen kann, wurde mir im Laufe dieses Auftrags bewusst. Sitzt man schliesslich im Publikum und betrachtet das Werk von aussen, kommen Emotionen hoch: Schön, was wir Menschen mit Kunst und Kultur schaffen – was uns schliesslich zu Menschen macht! Und wie wertvoll solche Plattformen heute noch sind, auf welchen man mit gegenständlichen Mitteln darstellen und mit allen Sinnen wahrnehmen kann.
Alles echt, vollkommen nahbar im Hier und Jetzt – und selbst geschaffen!
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